Amoklauf oder Terroristischer Akt? Wo liegt die Grenze?
November 21, 2007 von ilkerium
Seit einiger Zeit beschäftigt mich das Thema öfters.
Hier will ich meine Gedanken darüber äußern. Ich denke es lohnt sich darüber nachzudenken, weil meiner Meinung nach die Menschen mit der Bezeichnung Amok sich von der gesellschaftlichen Verantwortung befreien. Man löst sich damit von den Gedanken ab, wie solche Perönlichkeiten in der jeweiligen Gesellschaft aufwachsen können und wo die eigentliche Ursache liegt.
Lesen wir mal die Definition des Begriffs Amok aus Wikipedia:
Amok (malaiisch: meng-âmok, in blinder Wut angreifen und töten) ist eine psychische Extremsituation, die durch Unzurechnungsfähigkeit und absolute Gewaltbereitschaft gekennzeichnet ist.
…
Weiter unten steht unter Ablauf/Vorstadium:
Bei einigen Amokläufen in der jüngeren Geschichte (speziell die in Emsdetten und Blacksburg) zeichnet sich zudem ab, dass die späteren Täter ihre Vorbereitungshandlungen sowie ihren seelischen und geistigen Zustand selbst protokollieren, indem sie beispielsweise Homepages erstellen oder Videos drehen, in welchen sie ihre Sichtweise der Öffentlichkeit präsentieren.
Tat
Unmittelbar vor der Tat erfolgt ein Wutanfall, der sich in einer Reihe von Tötungshandlungen ohne ersichtliches Motiv entlädt.
…
Zitat Ende.
Also, Amok ist durch Unzurechnungsfähigkeit gekennzeichnet. Man ist nicht im klaren Verstand, hat über sich keine Kontrolle, kann weder den Ablauf der Taten, noch die Konsequenzen bestimmen. Man will nur Gewalttaten begehen, als Folge des unmittelbar vor der Tat erfolgenden Wutanfalls.
Diese Merkmale führen aber zur Schlussfolgerung, dass man ein Amok nicht zuvor planen kann. Planen in dem Sinne, dass man die Art und Ablauf der Taten zuvor beschreibt. Den seelischen und geistigen Zustand selbst protokollieren und die Sichtweise präsentieren ist natürlich nicht gleichzusetzen mit “Planen”.
Aber, wie man in letzter Zeit öfters davon erfährt, werden solche Pläne im Netz vor der Tat publiziert. Daraus stellt sich dann die Frage, ob man das wirklich immer noch Amok nennen kann.
Sie könnten jetzt meinen: “Man sollte das doch nicht gleich Terroristischer Akt nennen. Terrorismus umfasst doch die Gewaltakten, die gegen eine politische Ordnung begangen werden, um einen politischen Wandel herbeizuführen.”
In der Tat. Aber ich finde man sollte nicht unbedingt die Ursachen der terroristischen Taten gleich im politischen Bereich suchen. Besonders die begangene/verhinderte Terroranschläge in Deutschland und England zeichneten sich dadurch ab, dass die Täter sich von der Gesellschaft, in der sie leben entfremdet haben. In diesem Zusammenhang finde ich den Begriff “Homegrown Terrorism” interessant. Auch wenn im ersten Blick schwach, erkenne ich eine Ähnlichkeit zwischen diesen Terroranschlägen und den sogenannten Amokläufen. Es geht um die Rache gegen die Gesellschaft. Es geht um fehlende gesellschaftliche Anerkennung. Es geht um die Bedeutungslosigkeit des eigenen Lebens.
Ich bin mir nicht sicher, ob ich richtig liege.
Es kann auch sein, dass ich versuche Äpfel mit Birnen zu vergleichen. Aber mir scheint die Grenze zwischen ein Web 2.0 Amoklauf und ein Terroranschlag sehr dünn zu sein.
Wenn Sie zufällig auf mein Blog aufmerksam geworden sind, wäre ich für Kommentare sehr dankbar.
Hi
ich finde deinen Bericht echt interessant.Da ich zur Zeit an einem Referat arbeite über dieses Thema habe ich mich auch mit diesem Thema beschäftigt und finde auch , dass es fast kein Amok mehr ist.Ich denke , dass die Menschen sich dadurch noch einmal richtig stark und mächtig fühlen , wenn sie das veröffnetlich können und so vielleicht auch dieschuld ein wenig von sich weisen können , da sie die Leute ja “gewarnt” haben.Ich finde das es ziemlich viel mit terrorismus zu tun hat , da das Ziel von Terror Unsicherheit und Schrecken verbreiten ist und das haben die letzten ja bereits vor der Tat getan indem sie das ins internet stellen und überhaupt =)
Vielleicht sollte man einfach ein neuen Begriff erfinden
lg Nina